2007-07-15

Alles Gerüchte! 

Zur Vorbereitung und zum Einlesen für die letzte Woche des Wahlkampfes um den/die nächste(n) OberbürgermeisterIn von Filderstadt:

Gerüchte sind eine höchst ökonomische Form der Kommunikation und sollten schon deswegen nicht als "Teufelszeug" angesehen werden. Mit keinem anderen Medium ist eine schnellere Verbreitung von Nachrichten möglich. Außerdem ist es ausgesprochen günstig, denn der zu betreibende Aufwand tendiert gegen Null. Einmal ausgestreut, verbreitet sich das Gerücht in Windeseile und ohne weiteres Zutun des Betreibers. Es ist dann nicht mehr zu stoppen. — Der Umgang mit Gerüchten im Unternehmensumfeld – ausgewählte Praxiserfahrungen
Personen, von denen das Gerücht handelt, erfahren dessen Inhalt meist sehr spät, weil sie von der Gerüchtekommunikation ausgegrenzt werden; ihre Versuche, das Gerücht aufzuhalten oder es richtig zu stellen, sind in der Regel erfolglos, da der Wahrheitsgehalt von Gerüchten nur selten in Frage gestellt oder überprüft wird. — Wikipedia: Gerücht
"Ein Dementi ist keine zugkräftige Nachricht. Darauf hatte man schon gewartet", schreibt Kapferer in seinem Standardwerk "Gerüchte. Das älteste Massenmedium der Welt" (1996: 286). Die sprachlichen Floskeln, welche in Entschuldigungsritualen gebraucht werden, klingen für uns alle wohl vertraut, verfehlen aber im Alltag regelmäßig ihre Wirkung, wenn wir hören: "völliger Blödsinn", "frei erfunden", "absurd", "faktisch nicht nachvollziehbar" etc. — Der Umgang mit Gerüchten …
Angeblich bin ich verarmt und muss mein Haus verkaufen. Als Oberbürgermeister wird mir unterstellt, mindestens 20% Entlassungen zu planen. Dass ich eine Freundin habe und mit meiner Familie im Clinch liegen soll, wird schon seit Tagen kolportiert. Ich betreibe Mobbing, bin autoritär, ein Streithansel und soll mich vor Schadensersatzklagen und Dienstaufsichtsbeschwerden kaum noch retten können. Ich kenne mich selbst nicht wieder. — OB-Kandidat Hans Georg Schuhmacher
Man ist erbost darüber, "wie es sich überhaupt jemand leisten kann, so über uns zu reden.", Gefühle kochen hoch und man neigt dazu, alles zu tun, "um es d e n e n mal richtig zu zeigen". Doch wer sind "die"? Fühlt man sich "ertappt", reagieren die Verantwortlichen erst recht affektiv, was an sich keine ideale Entscheidungsgrundlage darstellt. — Der Umgang mit Gerüchten …
Deshalb sind Gerüchte so gefährlich. Der Wahrheitsbeweis fehlt. Viele sagen:
  • "Wo Rauch ist, ist auch Feuer"
  • "Es kommt nicht von ungefähr, dass....."
  • "Es könnte doch sein, dass.....
  • "Es ist vielleicht doch etwas wahr an der Geschichte!"
Gerüchte - eine effiziente Form der Kommunikation

Und das stimmt auch für die Gerüchte, die Herr Schuhmacher auf seiner Kampagnen-Website wiederholt, aber nicht widerlegt:

Über die finanziellen Verhältnisse von Herrn Schuhmacher wissen wir nichts, er hat seine Finanzen nicht offengelegt (wie das z.B. Norbert Gansel, langjähriger OB von Kiel gemacht hat). Andererseits ist die Stadt zur Zeit mit seinen Wahlplakaten gepflastert. Woher kommt das Geld? Von den Parteien, die seine Kandidatur unterstützen? Von wem noch, möchte man fragen!

Ein Kandidat, der stets in den Vordergrund stellt, wie wichtig ihm seine Familie ist, aber in seiner Stellung als OB von Spaichingen ein Wochenendpendler sein muss (eine 40-Stunden-Woche vorausgesetzt). Darf der sich wundern, wenn sein Verhältnis zur Familie Gegenstand von Gerüchten wird? Ich kann mir vorstellen, dass das wehtut, aber er hat sich freiwillig in die Öffentlichkeit begeben. Als Person des öffentlichen Lebens muss er damit klarkommen, das über ihn gesprochen wird, auch in Form von Gerüchten.

Was die Begriffe "Streithansel" und "Schadensersatz" angeht, enthält ein Artikel des Wiesbadener Kuriers vom 18.10.2004 folgende Aussagen:

Mit der Wahl des Ersten Stadtrats Hans Georg Schuhmacher zum Bürgermeister von Spaichingen hatte die Eltviller CDU wohl gehofft, den Dauerstreit von Stadtrat und Bürgermeister ad acta legen zu können. Die Sache scheint aber noch nicht ausgestanden zu sein.[…]
Dauernd werde er mit Schadenersatzansprüchen aus Eltviller konfrontiert, berichtete Schuhmacher von mehreren Briefen Hoffmanns ins Spaichinger Rathaus. "Das ist eine Lachnummer."Bisher habe sich alles als haltlos herausgestellt.[…]
Schuhmacher will sich jedenfalls nicht im Nachhinein die Schuld in die Schuhe schieben lassen, dass kaum eines der Eltviller Projekte von Erfolg gekrönt war. "Hätte ich die Federführung gehabt, wäre das Rathaus längst gebaut."
— "Mit mir wäre das Rathaus längst gebaut" – Ehemaliger Erster Stadtrat Schuhmacher nutzt Republikaner-Veranstaltung zur Entgegnung auf Vorwürfe (Der Artikel steht beim Wiesbadener Kurier nicht mehr im Online-Archiv, die dort verlinkte GENIOS-Datenbank findet ihn aber weiterhin unter NO: 857719840001098050400.)

Die F.D.P. von Spaichingen hat auch einige Anmerkungen dazu:

Der FDP-Ortsverband Spaichingen bedauert die Entscheidung des Bürgermeisters gegen die Stadt Spaichingen und seine Bürgerinnen und Bürger.
Es bestand die Hoffnung, dass die Beteiligten sich zusammenraufen, nachdem auf beiden Seiten schwere Fehler gemacht worden sind, die zu derartigen Auseinandersetzungen geführt haben, dass im Ergebnis das Ansehen der Stadt Schaden genommen hat.
Der Umstand, dass der von der CDU im Wahlkampf unterstütze Bürgermeister weder in seiner eigenen Partei noch in der CDU-Fraktion den gewünschten Rückhalt gefunden hat, könnte sich für künftige Kandidatinnen und Kandidaten als schwere Hypothek erweisen.
[…]
Sollte Herr Schumacher nicht gewählt werden, müssen die bestehenden Konflikte schnell und professionell gelöst werden. Die angestoßenen Projekte erlauben keine Stagnation. Sie müssen kraftvoll und mit vereinten Kräften weiterbetrieben werden.[…]
FDP-Position zur Kandidatur Bürgermeister Schuhmachers in Filderstadt

Und in einer Pressemitteilung vom 02.05.2007:

Mit Befremden reagiert der Ortsverband der FDP-Spaichingen auf den jüngsten Gemeinderatsbeschluss zum Ablauf der anstehenden Bürgerversammlung. Danach hat der Gemeinderat bei einer Enthaltung einstimmig beschlossen, Fragen zur Kandidatur des Bürgermeisters in Filderstadt und zu den Streitigkeiten der Vergangenheit nicht zu zu lassen.
[…] Eine der wichtigsten Gemeindeangelegenheiten der vergangenen Monate stellen die aufgetretenen Streitigkeiten zwischen Gemeinderat und Bürgermeister dar. Es ist daher für die FDP völlig inakzeptabel, wenn der Gemeinderat den Einwohnern einen Maulkorb verpassen will. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Beteiligten sich plötzlich einig sind in dem gemeinsamen Ziel, dass Spaichingen ein neues Stadtoberhaupt bekommen soll. Dass dieses durchsichtige Manöver dann noch als "Fairness" verbrämt wird, zeugt von einem gerüttelt Maß an Heuchelei. Der Bürgermeister will weg und die Mehrheit des Gemeinderates will ebenfalls, dass er geht. Die bekannte Methode heißt "wegloben".
[…]
Die Beteiligten müssen sich auch fragen lassen, was denn sein wird, wenn die OB-Wahl in Filderstadt aus Sicht des hiesigen Gemeinderates verloren geht. Wie weit trägt dann die jetzt an den Tag gelegte Harmonie? Werden die alten Konflikte wieder aufbrechen? Vieles spricht dafür, nachdem die Ursache für die Auseinandersetzungen nicht behoben wurde.
[…]
Gemeinderat will Spaichingern einen Maulkorb verpassen...

Es spricht also einiges dafür, dass es sowohl in Eltville, als auch in Spaichingen zu dauernden Verstimmungen zwischen Schuhmacher und den Statdtverordneten bzw. dem Gemeinderat gekommen ist.

Alles Gerüchte?

Labels:

This page is powered by Blogger. Isn't yours?

inpcblog durchsuchen

Syndikation
SiteMeter